„Rose von Jericho“ der Künstlerin Sylvia Kummer vor dem Wiener Stephansdom

Erstellt am: 02.04.2013 | Kultur

Wien (pts006/02.04.2013/10:00) – Bis zum 4. April 2013 läuft am Wiener Stephansplatz das multimediale und interdisziplinäre Projekt „Rose von Jericho“ der Künstlerin Sylvia Kummer: Eine altarartige Skulptur aus einem Geweih, einem „Kümmerling“ [1] und 50 Abwurfstangen ist Ausgangspunkt für eine interaktive Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen. Diese wird u.a. über Interviews, Videos und auf der Website http://www.rosevonjericho.at geführt, zu der man über einen QR-Code vor Ort gelangt. Der Titel des Projekts spielt auf den Namen einer Wüstenblume an, deren Form sich in der Skulptur widerspiegelt. Die Pflanze ist – ebenso wie Geweihe – ein kulturell stark verankertes Symbol für die Kraft der Erneuerung. Bewusst wurde daher als Aufstellungszeitraum der Frühlingsbeginn bzw. die Osterwoche und als Aufstellungsort der Platz vor dem Stephansdom gewählt.

Die Präsentation der ersten Projektergebnisse erfolgt im Rahmen der öffentlich zugänglichen Finissage am 4. April 2013 um 18.00 Uhr im Klemenssaal des Curhauses (1010 Wien, Stephansplatz 3).

Interkulturelle Reise – Umgang mit dem Fremden im Fokus
Erstmals wurde die „Rose von Jericho“ 2012 im Rahmen einer Ausstellung im Stift Ossiach (Kärnten) präsentiert. Ausgangspunkt war ein gemeinsames Projekt mit dem Künstler Daniel Spoerri zum Thema „Kümmerlinge“. Sylvia Kummer nimmt nun die Skulptur aus ihrem ursprünglichen, ländlichen Umfeld – aus dem auch die Materialien stammen – heraus und stellt sie in einen urbanen Kontext. Die Installation wird dadurch zur Metapher für das faszinierende Fremde. Der Stephansplatz in Wien ist somit die zweite Station, an der die von der Künstlerin gewünschte interkulturelle Auseinandersetzung stattfinden wird. Weitere Stationen für diesen Dialog werden voraussichtlich Frankreich und China sein.

Spiel der Gegensätze regt zum Querdenken an
Sylvia Kummer verwendet für ihre Skulptur die „Rose von Jericho“ Symbole der Jagd wie ein Hirschgeweih und einen Kümmerling, kehrt die Rangordnung der Trophäen jedoch um: Nicht das im Status überlegene prächtige Geweih bildet den Mittelpunkt, sondern der „Kümmerling“ – ein aufgrund von Verletzung oder Krankheit eines Tiers verformtes, verkümmertes Krickerl. Durch die knöchernen Stirnaufsätze von Wildtieren wird somit sowohl Kraft als auch Schwäche nach außen hin erkennbar. Doch auch Stärke kann sich in Schwäche umwandeln: Das Geweih bietet Schutz, kann zur Waffe werden – aber auch Bewegungsfreiheit einschränken und quasi zum Gefangenen machen.

Die Künstlerin räumt dem Kümmerling einen Platz im Zentrum der Skulptur ein, wo er umstrickt, verhüllt und „umkümmert“ aus dem ihn umgebenden Dickicht der Geweihstangen rot hervorleuchtet. Auch hier bleibt Spielraum für die Interpretation: Sind die Abwurfstangen Schutz oder Einengung für den Kümmerling? Diese Überlegungen lassen sich auf den Umgang mit dem „Schwachen“ im gesellschaftspolitischen und sozialen Bereich oder mit der Natur übertragen.

Symbol der Erneuerungskraft – in realem und spirituellem Sinn
Die als Material für die Skulptur eingesetzten Abwurfstangen besitzen enorme Symbolkraft: Jedes Jahr werden diese von den Wildtieren abgestoßen und wachsen sogleich wieder in – für Säugetiere einzigartiger – Geschwindigkeit nach. In vielen Kulturen sind Geweihe daher seit jeher Zeichen der Erneuerung, der Wiedergeburt oder des Weiterlebens nach dem Tod.

Sylvia Kummer setzt auf die Symbolik dieser Regenerations- und Erneuerungskraft: Die Abwurfstangen der Skulptur bilden die Form einer Blüte, die ihre Schönheit stolz – wie auf einem Altar – präsentiert. Sie erinnert aufgrund ihrer Struktur an eine Wüstenblume, die als „Rose von Jericho“ bezeichnet wird: Von der Sonne eingetrocknet, wird sie aus ihrer schwachen Wurzelverankerung gerissen und durch den Wind fortgetragen. Nur wenig Wasser genügt, um sie wieder aufblühen zu lassen. Aus diesem Grund wird die außergewöhnliche Pflanze auch mit der Wiederauferstehung Christi in Zusammenhang gebracht. In Bezug darauf wurde als Zeitrahmen für die Installation bewusst der Frühlingsbeginn bzw. die Osterwoche (21. März bis 4. April 2013) sowie als Aufstellungsort der Platz vor dem Stephansdom gewählt. Das Projekt wird maßgeblich von Dompfarrer Toni Faber unterstützt.

Skulptur zum Angreifen – Interaktion als Teil des Projekts
Die „Rose von Jericho“ ist von Sylvia Kummer als interaktives Projekt konzipiert und lädt zur optischen und haptischen Auseinandersetzung ein: Die Skulptur kann von allen Seiten aus unmittelbarer Nähe betrachtet und auch berührt werden. Die Künstlerin stellt die archaische Symbolik der Skulptur in Beziehung zu moderner Technik: Mit einem „Quick Response“ (QR)-Code fordert sie vor Ort dazu auf, sich auf der eigens eingerichteten Website ( http://www.rosevonjericho.at ) über die Bedeutungsvielfalt von Geweihen zu informieren ­- und zudem die eigenen Reaktionen aufzuzeichnen sowie mit anderen in Dialog zu treten. Persönliche Interviews der Künstlerin mit den BetrachterInnen werden auf Video festgehalten und sind demnächst ebenfalls auf der Website abrufbar.

„Die Skulptur soll Impulsgeber für eine Auseinandersetzung mit unserem Kulturgut sowie unserer Gesellschaft sein, zu Diskussionen anregen und Gefühle wachrufen. Bei meinen vorangegangenen Projekten habe ich festgestellt, dass insbesondere Geweihe als Material von Kunstobjekten sehr rasch einen spannenden – oft auch emotionalen – Diskurse in Gang bringen“, so die Künstlerin.

Bedeutungserweiterung durch interdisziplinären Ansatz
Ausgangspunkt für das Projekt waren zahlreiche interdisziplinäre Recherchen der Künstlerin, die sie auch mit der Wildbiologin Karoline Schmidt zusammenbrachte: „Durch die Kunst soll unter anderem der Bedeutungsreichtum von Geweihen, der in unserem Kulturkreis weitgehend auf die Wahrnehmung als Trophäe reduziert wurde, wieder bewusst gemacht werden – schließlich hatten Geweihe von der Mythologie bis hin zur Medizin eine wichtige Funktion“, betont Schmidt, die Initiatorin des Projekts am Stephansplatz.

Mit ihrer Skulptur stellt Sylvia Kummer darüber hinaus einen Konnex zu gesellschafts-politischen Themen wie dem Umgang mit Schwächeren und dem Fremden her. Sie regt zum Perspektivenwechsel an und will dadurch nachhaltig neue Sichtweisen eröffnen.

[1]Als „Kümmerling“ wird ein – aufgrund von Verletzung oder Krankheit eines Tiers – verformtes, verkümmertes Geweih oder Krickerl bezeichnet.

SYLVIA KUMMER
(* 1959 in Wien) studierte an der Universität Wien Kunstgeschichte und Ethnologie (1978). Nach langjährigen Aufenthalten in Frankreich (Paris 1980/81) und Kanada (1984/87) absolvierte sie das Studium für Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst in Wien (1989/93). Nach einem weiteren Auslandsaufenthalt in Australien (1997/98) war sie als Adjunct Professor an der Webster University St. Louis (2005) and Vienna (2000/2012) tätig – und ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten in den USA, in Australien und Österreich. Sie lebt und arbeitet in Wien sowie Seitzersdorf/Wolfpassing (NÖ).

Zahlreiche Ausstellungen in Kanada, den USA, China, der Schweiz und Österreich – u.a. im Ausstellungshaus Spoerri in Hadersdorf (siehe http://www.sylviakummer.com/d/ausstellungen.html ).

(Ende)

Aussender: Essential PR, Mag. Krenmayr Birgit
Ansprechpartner: Mag. Birgit Krenmayr
E-Mail: b.krenmayr@essential.at
Tel.: +43/1/ 958 11 14
Website: www.essential.at

[ Quelle: http://www.pressetext.com/news/20130402006 ]
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