Kreativität – eine Annäherung an einen unklaren Begriff

Erstellt am: 11.10.2021 | Featured, Leben, pressetext

Wiener Neustadt (pts026/11.10.2021/15:15) – „Viele Menschen haben die Vorstellung, Kreativität kommt einfach so aus dem Nichts. Die Forschung zeigt jedoch, dass selbst freie Kunst harte Arbeit ist.“ Mit diesem und anderen wissenschaftlich nicht haltbaren Vorurteilen räumte der Schweizer Begabungsforscher Willi Stadelmann in einem Vortrag vor 70 Lehrer*innen in Präsenz und mehr als 100 Pädagog*innen, die virtuell an der Veranstaltung teilnahmen, auf.

Mit den Worten „Unter Kreativität stellt sich jede und jeder etwas anderes vor. Aber alle etwa im Sinne von: Etwas tun, aber nicht wissen, was dabei herauskommt“, weist Stadelmann auf die vorhandene Begriffsunschärfe hin und begründet daraus die Schwierigkeiten bei der Messung dieser Eigenschaft. In der Forschung herrscht allerdings Einigkeit, dass durch Produkte von kreativen Prozessen etwas Neues geschaffen wird.

Salvador Dalis Werk als Beispiel für Kreativität

Der ehemalige Rektor der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz illustriert seine Gedanken zur Kreativität am Werk von Dali. Er demonstriert am Beispiel „Endloses Rätsel“ die neuen Wege, die der Künstler in diesem Werk beschreitet und weist auf die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten des Bildes hin.

„Voller Erstaunen frage ich mich dann, was dieser Dali heute noch wieder Wunderbares verrichten wird.“ Diese Worte, mit denen sich der Künstler selbst beschreibt, verwendet Stadelmann, um auf das Selbstvertrauen als notwendige Grundlage der Kreativität hinzuweisen.

Wahrnehmung als Grundlage für Kreativität

Mit einem Exkurs auf die neurowissenschaftlichen Grundlagen des Lernens verweist der Wissenschaftler auf die Bedeutung der Wahrnehmungsschulung und kritisiert den übertriebenen Einsatz von elektronischen Medien in den ersten sechs Lebensjahren. „Kreativität steckt im Zusammenspiel der Netzwerke des Gehirns und kann gelernt werden.“ Damit macht Stadelmann Mut zur verstärkten Unterstützung von divergentem Denken in unseren Schulen und schließt mit einem Plädoyer zur Schulung des Möglichkeitssinns.

Der Wiener Neustädter Begabungszyklus

Der Vortragsabend mit dem Wissenschafter Willi Stadelmann war bereits der vierte Teil des sogenannten „Begabungszyklus“, einer Veranstaltungsreihe der Pädagogischen Hochschule, der Bildungsdirektion Niederösterreich und der Stadtgemeinde Wiener Neustadt, die sich dem Thema Hochbegabung, Begabten- und Begabungsförderung widmet. Grußworte sprachen PH-NÖ-Vizerektor Norbert Kraker, Bildungsdirektor Johann Heuras, Sektionschefin Doris Wagner und Bildungsstadtrat Philipp Gruber.

In den Vorjahren waren bereits Markus Hengstschläger, Aljoscha Neubauer und Willi Stadelmann, damals zu neurowissenschaftlichen Grundlagen, zu Gast. Die Organisatoren planen auch für das kommende Jahr wieder einen Vortrag. Termin und Referent stehen noch nicht fest.

Hochschullehrgänge zur Begabungsförderung

Die Pädagogische Hochschule bietet zum Thema Begabungsförderung vier Hochschullehrgänge im Ausmaß von 5, 15, 30 und 90 ECTS an. Unter Bezug auf die Ziele des European Council für High Ability (ECHA) bieten die Hochschullehrgänge eine Zusatzausbildung für Lehrpersonen, die diese in die Lage versetzen soll, (hoch)begabten Kindern und Jugendlichen in der Schule einen „Unterricht nach Maß“ anzubieten.

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Aussender: Pädagogische Hochschule Niederösterreich Ansprechpartner: Walter Fikisz Tel.: +43 650 4721023 E-Mail: walter.fikisz@ph-noe.ac.at Website: www.ph-noe.ac.at



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